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Wie eine Winternacht mein Leben veränderte

© famveldman

Manchmal genügt eine einzige Nacht.

Ein Moment, der so unscheinbar beginnt – und doch eine Richtung verändert, die man vorher nicht kannte.


Es war – vor vielen Wintern – auf einem Weihnachtsmarkt hoch oben im echten Norden.

Zwischen Lichterglanz, Kinderstimmen und dem Duft von gebrannten Mandeln begegnete ich einem Weihnachtsmann.

Aber er war keiner.

Ein dünner roter Filzmantel, der eher an eine vergessene Requisite erinnerte. Dunkelgrüne Gummistiefel. Eine Halbmaske mit schief angeklebtem Wattebart.

Ich war Vater zweier kleiner Jungen – und zum Glück waren sie an diesem Abend nicht an meiner Seite. Denn was ich sah, ließ selbst Erwachsene innehalten: eine Rute in der Hand, mit der er sich selbst auf die Finger schlug und vorbeigehenden Kindern drohend nachsetzte.

Der Zauber der Weihnacht verschwand für einen Moment.


Die Nacht der Fragen

In jener Nacht fand ich keinen Schlaf.

Der Weihnachtsmann meiner Kindheit war ein anderer gewesen. Gütig. Warmherzig. Würdevoll. Ein Freund der Kinder, ein Bote des Lichts.

Und so fragte ich mich:

Muss das so sein?
Wo ist der Zauber geblieben?
Kann man ihn zurückbringen – heller, wahrer, würdevoller?

Es war, als öffnete sich eine unsichtbare Tür. Etwas rief mich. Eine Sehnsucht. Ein Gefühl, das stärker war als jede Vernunft.

In jener Nacht war mehr entstanden als nur ein Gedanke.


Die ersten Schritte – Bücher statt Google

Am nächsten Morgen stand ich in der Stadtbücherei. Umgeben vom Duft alter Bücher und dem Rascheln vergilbter Seiten. Auf der Suche nach Spuren des Weihnachtsmannes – in Geschichten, Sagen, alten Chroniken. Andersen und Storm.

Und der Entdeckung, dass der »Weyhnachtsmann« bereits 1770 in einer Berliner Wochenschrift erwähnt worden war. Die Legende, Coca Cola habe ihn erfunden, war nichts als ein Märchen. Ein falsches. »Coca Lores«.

Aus diesen Studien entstand ein Konzept. Vier Seiten. Ein Drehbuch für den Weihnachtsmann, wie er sein sollte – würdevoll, warmherzig, zeitlos.

Ich bestellte mein erstes Gewand bei einem Fachhändler in München. Mit Kleinanzeigen suchte ich Familien. Jeden Auftritt besprach ich vor Ort – sorgfältig, persönlich, ohne Eile.


Der erste Heiligabend – und das Wunder

Dann kam der erste Heiligabend.

Der Schnee fiel leise, als wolle er die Welt für einen Moment stiller machen.

Ich trat ein – und in diesem Augenblick geschah etwas, das ich nicht erwartet hatte.

Während ich die Wünsche der Kinder erfüllte, erhielt ich selbst ein Geschenk.

Strahlende Augen. Leuchtende Gesichter. Eine Dankbarkeit, die man nicht beschreiben kann. Die man nur spürt.

Müde, aber überglücklich kehrte ich heim. Was als Studentenjob begonnen hatte, war in dieser Nacht zu einer Berufung geworden. Zu einem Weg.


Vier Jahrzehnte voller Weihnachtszauber

Seit jenem Abend sind vier Jahrzehnte vergangen.

Vier Jahrzehnte unzähliger Begegnungen. Voller kleiner Wunder. Augenblicke voller Glück.