Was sich für mich verändert hat
Beobachtungen nach vier Jahrzehnten
© Vitalii Mamchuk
Wenn ein Jahr zu Ende geht, bleibt vor allem das, was nicht laut war.
Leuchtende Augen.
Stille Momente.
Kleine Wunder, die niemand geplant hat.
Nach über vier Jahrzehnten als Weihnachtsmann nehme ich solche Augenblicke mit – weit über die Feiertage hinaus.
Aber ich nehme für mich auch anderes mit.
Etwas hat sich für mich verändert
Nicht plötzlich. Nicht dramatisch. Aber spürbar – für jeden, der aufmerksam hinschaut.
Die Erwartungen sind andere geworden. Nicht schlechter. Aber anders.
Manche Familien wünschen sich heute etwas, das früher selbstverständlich war: einen ruhigen, vorbereiteten, würdevollen Auftritt – ohne Hektik, ohne Überraschungen, ohne Enttäuschungen.
Andere erwarten etwas, das einem schnellen Besuch entspricht: Spontaneität auf Abruf, Flexibilität ohne Vorbereitung, Magie ohne Rahmen. Oft sind es dieselben, die Ende November zum ersten Mal anfragen.
Beides ist menschlich. Aber beides führt zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.
Ein Weihnachtsmann kommt jedoch nicht einfach vorbei. Er tritt auf.
Kinder spüren den Unterschied
Denn sie sind heute medial hellwach.
Sie bemerken Dinge, die Erwachsene längst übersehen: die falsche Stimme, die vertraute Uhr am Handgelenk, die Augen hinter dem Bart.
„Mal eben den Weihnachtsmann ›spielen‹" – das hat man einmal geglaubt. Heute nicht mehr.
Der Weihnachtsmann ist kein Clown. Er ist für Kinder eine ernste Figur – im besten Sinne des Wortes. Eine Figur, der sie vertrauen. Die über sie wacht. Die ihnen zeigt, dass ihr Verhalten nicht gleichgültig ist.
Wer das unterschätzt, merkt es spätestens dann, wenn ein Kind sagt:
„Mama – der hatte die gleichen Augen wie Papa."
Dann ist der Zauber dahin.
Eine stille Verschiebung
Im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen im Netzwerk Weihnachten e. V. beobachte ich seit Jahren: Manche professionelle Weihnachtsmänner meiden heute bewusst den Heiligabend. Nicht aus Bequemlichkeit – sondern weil der Druck gestiegen ist. Die Erwartungen sind höher geworden. Die Bereitschaft zur Nachsicht kleiner.
Wer das einmal erlebt hat, versteht die Entscheidung. Und wer die Figur ernst nimmt, trifft eine solche nicht leichtfertig.
Vorbereitung. Rahmen. Haltung.
Meine Antwort auf all das hat sich über vier Jahrzehnte nicht verändert:
Vorbereitung.
Rahmen.
Haltung.
Ein Auftritt, der diese drei Dinge hat, hinterlässt etwas. Einer, der sie nicht hat, hinterlässt – im besten Fall – nichts.
Das ist keine Klage. Es ist eine Beobachtung.
Und wer genau hinschaut, kann bewahren, was sonst verloren geht.
