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10.09.2025 14:53

Die Ehren-Schneidermeisterin des Weihnachtsmannes
Tina Staupe aus Bredstedt

© artinspring


Es war 1999 – Ende Juli, direkt nach dem World Santa Claus Congress in Dänemark.

Kein Schnittmuster. Keine Vorlage. Nur ein paar Fotos, von dort mitgebracht – und die Frage, ob das möglich sei.

„Das brauche ich auch nicht", antwortete Tina Staupe. Ohne zu zögern.

Und machte sich in der kleinen nordfriesischen Stadt Bredstedt an die Arbeit.


Zwölf Stunden. Und pünktlich zum 24.12. fertig.

Drei Meter Seidenfutter. Fünfeinhalb Meter Flanell. Zehn Meter Langhaarfell-Borte. Zwölf Stunden Nähzeit.

Am 24. Dezember 1999 waren Mantel und Mütze fertig. Rechtzeitig. Kein Tag zu früh – und keiner zu spät.

Was dann folgte, waren zwanzig Jahre.
Jede Menge vorweihnachtliche Auftritte. Zwanzig Heiligabende. Zwanzig Erste und Zweite Weihnachtstage.
Unzählige Kinder. Unzählige Begegnungen.

Und ein Mantel, der all das – leider – nicht ganz spurlos ertrug.


Ein Anruf. Und eine Frage, die alles veränderte.

2019 rief ich bei Tina an. Nicht wegen des Mantels – sondern wegen der Borte. Zehn Meter Langhaarfell-Borte. Wo bekommt man so etwas erneut?

Sie war längst im Ruhestand. Trägt aber – noch heute, sommers wie winters – nachts Zeitungen aus. Pflegt einen großen Bienengarten. Und erinnerte sich sofort an den Mantel, eines ihrer Unikate.

Nach einer Weile kam eine unerwartete Frage:

„Das ist ja ureigentlich ein Mantel, ein Unikat, der aus meiner Hand entstanden ist. Dürfte nicht auch ich ihn vielleicht... erneuern?"

Vollkommen überrascht antwortete ich: „Selbstverständlich, sehr gerne sogar."
Und fügte hinzu, dass ich mir niemals erlaubt hätte, sie in ihrem Ruhestand darum zu bitten.


Schokoladenreste in beiden Taschen

Was sie dann vorfand, sprach für sich. Wasserränder im Stoff. Kleine Flecken.

Und in beiden Taschen – Schokoladenreste. Das ging einfach nicht raus.

Also stellte sie den ganzen Mantel ins lauwarme Wasser. Trennte die Taschen ab. Ersetzte die Borte aus hochwertigem Material. Erneuerte das seidene Innenfutter.

Zehneinhalb Stunden. Wieder.

Hier kennt sie keine Kompromisse.

Der Mantel erstrahlt seither in neuem Glanz.


Tina Staupe

Schneidermeisterin – und weit mehr als das.

Sie ist Gründungsmitglied der Tanz- und Trachtengruppe Bredstedt, gegründet 1989. Trachtenbeauftragte. Kennerin nordfriesischer Handarbeitstradition. Gefragt von Föhr bis Amrum, wenn es um Trachtennähen geht – das, wie sie selbst sagt, „eigentlich nichts mit Schneiderei zu tun hat."

Darüber hinaus jahrelang kommunalpolitisch aktiv. Seit April 2025: Ehrenbürgerin ihrer Heimatstadt Bredstedt.

Eine Frau, die weiß, was Handwerk bedeutet. Und was es kostet – an Zeit, an Sorgfalt, an Haltung.


Die Ehren-Urkunde

© Der liebe gute Weihnachtsmann Claudius


Am 24. Oktober 2019 überreichte Claudius, der liebe gute Weihnachtsmann, seiner Schneidermeisterin eine Ehren-Urkunde.

„In Würdigung des besonderen ehrenamtlichen Einsatzes zum Erhalt des weihnachtlichen Brauchtums durch das Schneidern allerschönster Weihnachtsmann-Garderoben ernenne ich Tina Staupe heute zur Ehren-Schneidermeisterin des Weihnachtsmannes."

Tina Staupe ist die einzige, die diesen Titel tragen darf.


Manche Dinge sind nicht skalierbar. Ein handgenähter Mantel. Ein echter Auftritt. Die stille Bindung einer Handwerkerin an ihr Werk. Und die Dankbarkeit eines Weihnachtsmannes.