Zum Hauptinhalt springen
13.08.2025 14:45

Was Familien wissen sollten
Bevor der 15. Dezember kommt

© Liligraphie


Es beginnt meistens im Frühherbst.

Eine Familie tippt in die Suchmaschine: „Weihnachtsmann buchen, bestellen, suchen – oder, ja, sogar mieten." Oder einfach nur „Weihnachtsmann".

Und landet – irgendwo.

Manchmal bei mir. Oft bei einem der großen Vermittlungsportale, die bundesweit unter den ersten Treffern erscheinen. Die Seiten sehen professionell aus. Die Versprechen klingen gut.

„Wir suchen ihn für Sie."

Also füllt die Familie ein Formular aus. Gibt Ort, Datum und Zeitfenster an. Klickt auf Absenden. Erhält noch eine Eingangsbestätigung.

Und wartet.
Manchmal lange. Oft genug vergeblich. Leider.


Wie manche Portale funktionieren

Denn was die Familie in diesem Moment nicht weiß – zumindest bei ein oder zwei der mir bekannten bundesweiten Portale: Niemand sucht für sie. Das Portal stellt nur die Plattform bereit. Ob Darsteller die Anfrage öffnen und sich melden – das entscheidet diese allein.

Der Eintrag der Familie erscheint lediglich in einer nur für Darsteller abrufbaren Datenbank – ohne Namen, ohne Telefonnummer, ohne Hausnummer. Nur mit Ort und Straße. Mehr nicht.

Und ab dann heißt es: „Abwarten – und Tee trinken."

Warten, bis ein im Portal registrierter Darsteller aus der Region zufällig auf den Eintrag aufmerksam wird. Ob die Adresse auf seiner Route liegt. Ob das Zeitfenster passt.

Wenn ja – ein Klick. Und die Kontaktdaten werden gegenseitig offengelegt.
Wenn nein – der Eintrag bleibt. Und wartet weiter.

Ob jemand zugreift, entscheidet am Ende der Zufall.

Hinzu kommt: Viele erfahrene Darsteller gehen heute eigene Wege – mit eigener Website. Studentische Vermittlungen gibt es vielerorts nicht mehr. Serviceagenturen der Arbeitsagenturen ebenfalls. Was einst flächendeckend funktionierte, ist in vielen Regionen schlicht weggefallen.

Das Angebot wird kleiner. Die Chancen einer Vermittlung sinken.


Der 15. Dezember

Das böse Erwachen folgt am 15. Dezember – für manche Familien ein schwerer Tag. Viele Vermittlungsportale haben dann ihren Buchungsschluss.

Wer bis dahin keine Zusage hat, bekommt mit gleichem Datum automatisiert eine E-Mail im Sinne von:

„Es war leider keine Vermittlung möglich."

Manchmal nach Wochen des Wartens. Manchmal nach monatelanger Hoffnung.

Das war's. Und nun?


Was dann oft passiert

Dann klingelt bei mir das Telefon.

Familien, die erklärt haben möchten, wie es dazu kommen konnte. Die fragen, ob es bei mir noch irgendwie geht – aber übersehen, dass ich keine Vermittlungsagentur bin. Die ganz einfach nicht verstehen, was passiert ist.

Ich erkläre es – so gut ich kann. Wirklich helfen kann ich nicht.

Und ich merke jedes Mal: Die Enttäuschung sitzt dann bereits so tief, dass auch der beste Ersatz keiner mehr ist.


Was Portale leisten – und was nicht

Viele Vermittlungsagenturen arbeiten sorgfältig und persönlich – und verdienen das Vertrauen, das ihnen entgegengebracht wird. Keine Frage.

Aber es gibt einen Unterschied zwischen einer Agentur, die aktiv vermittelt, und einem automatisierten Portal, das wartet.

Ein Portal vermittelt nur. Es garantiert nichts.

Wer das einmal erlebt hat, versucht es oft kein zweites Mal. Was verständlich ist – und trotzdem schade. Am Ende sind es die Kinder, die ohne Weihnachtsmann bleiben.


Was den Unterschied machen kann

Wer früh sucht, direkt sucht und nach dem Menschen dahinter fragt – trifft eine andere Entscheidung.

Eine durchdachtere. Und meistens eine bessere.