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13.05.2026 15:17

Warum Kinder an den Weihnachtsmann glauben

© Sunny Studio


Es gibt Fragen, die Eltern am liebsten überhaupt nicht gestellt bekommen möchten.

Eine davon kommt verlässlich – irgendwann, irgendwo zwischen Advent und Heiligabend:

„Gibt es den Weihnachtsmann wirklich?"


Die Frage hinter der Frage

Wer in diesem Moment mit erwachsener Logik antwortet, verpasst etwas.

Denn das Kind, das diese Frage stellt, hat sich zu diesem Zeitpunkt meist schon seine eigenen Gedanken gemacht. Es hat nachgedacht. Es hat Antworten gesucht. Vielleicht hat es sogar schon welche gefunden.

Der klügste erste Schritt ist deshalb eine Gegenfrage:

„Was glaubst du denn? Wie stellst du dir das vor?"

Lassen Sie das Kind erzählen. Begleiten Sie es in seine Welt. Vielleicht ist es am Ende mit seinen eigenen Antworten so zufrieden, dass es Ihre gar nicht mehr braucht.


Was Fachleute sagen

Der Glaube an den Weihnachtsmann ist für Kinder kein Irrtum – er ist Entwicklungsraum. Das belegen Sozialpädagogen und Entwicklungspsychologen seit Jahren.

Der Kieler Diplom-Sozialpädagoge Michael Hülsmann schreibt dazu: Für Kinder ist Sichtbares wie Unsichtbares in gleicher Weise Realität. Fantasie, Erfindungsgabe und Vorstellungsvermögen sind unerlässlich für die gesunde Entwicklung.

Das magische Denken beginnt bereits mit etwa 18 Monaten. Mit drei Jahren können Kinder Fantasie und Realität unterscheiden – aber der überzeugte Glaube an Figuren wie den Weihnachtsmann verschwindet erst mit sieben oder acht Jahren. Meist von ganz alleine.

„Um sich gesund zu entwickeln, brauchen Kinder neben körperlicher Pflege auch Nahrung für die Seele – und die finden sie in Fantasiewelten."


Den Zauber bewahren

Wie die Kieler Professorin Birgit Brouer in einer veröffentlichten Stellungnahme festhält, geht es dabei um mehr als nur kindliche Fantasie.

Der Weihnachtsmann stehe – nicht nur bei Kindern – für Glaube, Liebe, Hoffnung und Licht. Er beflügle die Vorstellungskraft. Er öffne Räume, die die Realität allein nicht öffnen kann.

Und sie benennt eine Tendenz, die sie kritisch beobachtet: Viele Eltern nehmen ihren Kindern heute zu früh die Kindheit weg. Das Ziel der Mündigkeit ist wichtig – aber Kinder brauchen auch Schutz. Schutz vor einer Realität, für die sie noch nicht bereit sind.

„Es ist wichtig, diesen Zauber eine Weile zu erhalten."


Kinder sehen die Welt mit anderen Augen. Sie brauchen Märchen. Magie. Fantasie.

Wer ihnen diesen Raum zu früh nimmt, nimmt ihnen etwas, das sich nicht zurückgeben lässt.